Tristan Nitot, Sustainability Lead, Scaleway

Die Klimakonferenz COP27 ist bereits in vollem Gange und nach diesem unnatürlich langen und heißen Sommer mit großen Waldbränden und Dürren in Europa sowie tödlichen Überschwemmungen in Pakistan nehmen die Berichte und Nachrichten über den Klimawandel kein Ende.

Die Frage ist also, wie wir den CO2-Fußabdruck der IT-Industrie reduzieren und gleichzeitig dem konstanten Bedürfnis nach Wachstum nachkommen können. Ironischerweise findet die COP27 zum Jahrestag der Markteinführung (15. November 1971) des ersten Mikroprozessors durch Intel, dem 4004, statt. Dieser Tag markiert den Beginn der digitalen Revolution und begründete das Mooresche Gesetz, demzufolge sich die Leistung von Mikrochips alle 18 Monate verdoppelt. Einerseits erlebte die IT-Industrie dank des Mooreschen Gesetzes in den letzten 51 Jahren ein Hyperwachstum, infolgedessen wir nun (fast) alle einen Computer in der Hosentasche oder Handtasche mit uns führen. Andererseits jedoch gab es für die Entwickler, gerade wegen der schnellen Verdoppelung der Leistung, keinen Anreiz, ihren Code zu optimieren. Denn selbst wenn dieser am Tag der Veröffentlichung nur langsam lief, würde er eineinhalb Jahre später durch die Erneuerung der Hardware schnell laufen. Heute, 51 Jahre später, entwickeln wir immer noch wenig optimierte Software und betreiben dadurch Ressourcenverschwendung in großem Ausmaß. In den letzten 25 Jahren hat sich beispielsweise die Größe von Webseiten um das 150-fache erhöht und der für Windows und Office benötigte Arbeitsspeicher um fast das 200-fache. Natürlich sind unsere Webseiten und Dokumente schöner, intuitiver und besser als früher – aber die Verbesserung beläuft sich sicher nicht auf das 150- bis 200-fache.

Die Digitalisierung schreitet weiter voran, ebenso wie ihr Energieverbrauch: Sie macht bereits vier Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen (weit mehr als die Luftfahrt!) aus. Infolgedessen häufen sich die Warnungen: Aus den IPCC-Berichten geht hervor, dass wir diese Emissionen bis 2030 halbieren müssen, während uns der Krieg in der Ukraine zudem daran erinnert, dass ein maßloser Energieverbrauch nicht zeitgemäß ist. Wie lassen sich also diese beiden auf den ersten Blick widersprüchlichen Entwicklungen – wachsende Digitalisierung und Maßnahmen für die Umwelt – unter einen Hut bringen?

Die Verlängerung der Lebensdauer von Geräten ist zweifelsohne die wichtigste Stellschraube, an der wir drehen können. In Frankreich macht die Herstellung von Endgeräten drei Viertel der Treibhausgasemissionen in der IT-Industrie aus. Mögliche Lösungen sind also, die Geräte über fünf oder mehr Jahre zu nutzen, gebraucht zu kaufen sowie der Versuchung zu widerstehen, das neueste und modernste Gerät – vom iPhone 14 bis zum 4K-Fernseher – zu kaufen. Zudem müssen wir aufpassen, dass wir nicht wieder dem “Rebound-Effekt” verfallen, indem wir mehr Ressourcen verbrauchen, nur weil sie leichter zugänglich geworden sind. Dies ist besonders vor dem Hintergrund, dass Elektronik derzeit die weltweit am stärksten wachsende Abfallkategorie ausmacht, wichtig.

Es gibt aber auch noch weitere Lösungen, wie zum Beispiel die Public Cloud: Statt die gesamte IT nach altmodischer Art intern (bzw. als On-Premises) zu verwalten, ist die Verlagerung in die Public Cloud aus vielen Gründen eine erfolgreiche Strategie.

Zunächst einmal bedeutet eine On-Premises-Strategie, dass die IT-Infrastruktur so ausgelegt sein muss, dass sie auch die intensivsten Spitzenlasten bewältigen kann. Für Online-Händler sind solche Spitzenlasten häufig zum Black Friday oder während der Weihnachtszeit zu erwarten. Infolgedessen sind die Server die restliche Zeit über in der Regel unausgelastet und nutzen oft weniger als zehn Prozent ihrer Kapazität aus. Dies verursacht nicht nur Treibhausgasemissionen, sondern ist auch eine immense Verschwendung von Energie, Wasser und Mineralstoffen.

Bei der Public Cloud hingegen werden die Ressourcen geteilt: Kunden mieten nur die Server, die sie zum jeweiligen Zeitpunkt benötigen, und profitieren so von der Elastizität der Cloud. Dadurch haben die Server eine viel höhere Auslastung, da sie bei voller Kapazität und von mehreren Kunden gleichzeitig genutzt werden. Mit Blick auf die Größe der Rechenzentren profitiert man hierbei auch von einem industriellen Ansatz, mit dem sich der Stromverbrauch der Geräte, ihre Kühlung, ihre Sicherheit und ihre Internetverbindungen so genau wie möglich verwalten lassen. Kurz gesagt ist es eine viel effizientere Lösung als das, was ein kleines Team mit einem On-Premises-Ansatz schaffen könnte.

Was wäre, wenn die Cloud-Anbieter noch einen Schritt weiter gehen? Zum Beispiel, indem sie ihre Rechenzentren ausschließlich mit erneuerbaren Energien betreiben und diese so konzipieren, dass sie so wenig Energie und Wasser wie möglich für die Kühlung verbrauchen?

Die Lebensdauer von Servern ist ebenfalls von Bedeutung: 10–15 Prozent der Treibhausgasemissionen von Servern entstehen bei deren Herstellung. Die Lebensdauer von Servern ist daher für die Reduzierung der CO2-Bilanz während der gesamten Nutzungsdauer entscheidend. Mithilfe von technischer Aufbereitung ist es durchaus möglich, Server bis zu zehn Jahre lang und nicht nur 3–5 Jahre lang, wie es in der Industrie üblich ist, zu nutzen.

Bei dem europäischen Cloud-Anbieter Scaleway werden diese Initiativen bereits umgesetzt, einige sogar schon seit zehn Jahren. Wir sind davon überzeugt, dass wir alle, von den Anbietern über ihre Kunden bis hin zu den Endnutzern, einen Beitrag zur Verringerung der Umweltauswirkungen der IT-Industrie leisten müssen. Denn es steht einiges auf dem Spiel.

Angesichts des Klimawandels kann die IT-Industrie nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern muss einen Richtungswechsel vollziehen. Wenn wir das Klima nicht stabilisieren können und keine sichere Kundenbasis haben, ist die Zukunft der IT-Industrie düster. Auch die IT-Industrie muss ihren Teil dazu beitragen – und die Verlagerung zur Public Cloud, zusammen mit einer Strategie zur Verlängerung der Lebensdauer von Geräten, ist der beste Weg vorwärts.